Messengerdienste in Schülerhand

Erste Anzeichen von Cybermobbing mit Hilfe von Internet- und Mobiltelefondiensten, u.a. durch WhatsApp-Gruppen an der GS Lindenschule

Sehr geehrte Eltern der Lindenschule!

Ich möchte die aktuelle Schilderung von Eltern eines Kindes unserer Schule zum Anlass nehmen, um mich an Sie zu wenden. Es geht um die Nutzung von Handys (aktuell noch außerhalb der Schule). Es geht um die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern an WhatsApp-Gruppen. Und es geht daraus resultierend um erste Anzeichen von „Cybermobbing“ unter Kindern unserer Schule, von denen ich erfahren habe. Und hierbei rede ich von Grundschülern, die noch nicht älter als 10 oder 11 Jahre sind!

Einige Schülerinnen und Schüler haben durchaus zeitweise Handys in ihrer Schultasche. Sie wissen, dass die Handys während der Schulzeiten in den Taschen bleiben und von den Eltern nur für Notfälle mitgegeben worden sind. Dies wird von uns selbstverständlich toleriert. Genauso wissen die Kinder auch, dass Handys unsererseits eingesammelt und nur an die Eltern zurückgegeben werden, wenn sie während der Unterrichts- und Betreuungszeiten genutzt werden würden. Hier gab es bisher noch nie Schwierigkeiten.

Nun habe ich aber erfahren, dass es erste WhatsApp-Gruppen zwischen Schülerinnen und Schülern einer Klasse unserer Schule gibt, in denen sich nach Schulschluss ausgetauscht wird. Und hier tauchen leider die ersten Anzeichen von Cybermobbing auf, denn die Anwendungen werden nicht nur zum positiven Austausch untereinander verwendet.

Kinder werden unter Druck gesetzt oder beleidigt. Unwahrheiten werden bewusst verbreitet. Fotos werden hochgeladen. Voicenachrichten verschickt. Telefonnummern werden ungefragt weitergegeben.

Ich frage mich ganz ehrlich: Was wird da noch kommen, wenn es uns nicht gelingt, unsere Kinder bei der Nutzung offen zu begleiten. Oder was ist bereits unterwegs, von dem wir nichts ahnen, was einige Kinder aber unter Druck setzt?

Hier sind wir Erwachsenen gefragt. Die Probleme und auch die Verantwortung liegen nicht nur bei der Schule, sondern gerade auch bei Ihnen als Eltern! Und einmal ganz offen und ehrlich gefragt: Wissen Sie, was Ihr Kind in den verschiedenen Messengerdiensten schreibt oder liest? Welche Bilder es sieht und in welchen Gruppen es verkehrt? Ich würde es mir wünschen, wenn Sie einen solch offenen Austausch und eine intensive Begleitung Ihres Kindes leisten würden und könnten. Und es wäre auch fantastisch und erleichternd für Ihr Kind!

Wie Sie vielleicht den Medien entnommen haben, wurde ab dem 25. Mai 2018 die Altersgrenze für die Nutzung des Messenger-Dienstes WhatsApp auf 16 Jahre angehoben. Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur, aber gerade im Grundschulbereich, den verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medien noch nicht beherrschen. Ihnen fehlen die notwendige Reife, die Empathie und das Bewusstsein für die Folgen. Auch schon in der Grundschule haben wir mit Konflikten und verzweifelten Kindern zu tun, die durch Texte, Bilder, Audio- oder Videodateien beleidigt, bedroht, ausgegrenzt und bloßgestellt werden. Zum Teil schaden Kinder sich selbst, indem sie eigene Bilder öffentlich machen. Es sind vor allem die scheinbare Anonymität und die fehlende Kontrolle, die die Kinder zu diesem Verhalten verleiten. Die Inhalte der sozialen Medien haben eine große Öffentlichkeit und verbreiten sich sehr schnell. Zudem sind die Opfer von Cybermobbing jederzeit angreifbar und verletzbar – auch nach Schulschluss, am Wochenende und in den Ferien.

Wir versuchen auch als Schule Aufklärungsarbeit bei den Kindern zu leisten und sie in der Mediennutzung zu begleiten. Dies wird nicht zuletzt aufgrund der digitalen Schulentwicklung vermehrt auch Aufgabe von Schule werden. Denn natürlich ist die Nutzung der digitalen Medien sinnvoll und ertragreich. Sie birgt aber auch Gefahren. Daher sollten gerade unsere Kinder sich auch begleitet, kontrolliert und angeleitet in der digitalen Welt bewegen.

Die Verantwortung bezüglich der Nutzung von Messenger-Diensten und ähnlicher Apps liegt aber letztendlich bei Ihnen, den Eltern und Erziehungsberechtigten. Wenn Sie die Nutzung erlauben, sind Sie in der Pflicht, das Nutzungsverhalten Ihres Kindes zu überprüfen und die Verantwortung dafür zu übernehmen.

 

Bitte helfen Sie mit, Ihre und andere Kinder unserer Schule zu schützen. Bedenken Sie dabei, dass Ihr Kind nicht nur Opfer, sondern auch Täter sein kann.

 

Im Internet gibt es viele hilfreiche Hinweise, die auch uns Erwachsenen Ideen aufzeigen, wie wir unsere Kinder bei der Nutzung u.a. von Messengerdiensten begleiten können (aufklärungstechnisch, aber auch einstellungstechnisch). Zwei dieser vielen Seiten, mit denen wir als Schule selber arbeiten und gute Erfahrungen gemacht haben, würde ich Ihnen stellvertretend an dieser Stelle gerne empfehlen:

https://www.internet-abc.de/eltern/familie-medien/kommunikation-handy-whatsapp-facebook/

 https://www.klicksafe.de/eltern/

Gerade jetzt, wo die Problematik zum ersten Mal an unserer Schule aufgetaucht ist, möchte ich Sie hiermit informieren, damit alle Beteiligten sensibilisiert sind und wir GEMEINSAM der Problematik begegnen können.

Wir alle mögen die unterschiedlichsten Einstellungen zu den sozialen Medien haben. Dies sei auch jedem zugestanden. Was ich mir aber auf jeden Fall auch von Ihnen wünsche ist, dass Sie nicht einfach die Gefahren von der Hand weisen, sondern dass Sie offen und vertrauensvoll mit Ihren Kindern umgehen, die Kinder nicht alleine lassen, sondern täglich begleiten – verantwortungsvoll,  fürsorglich und aufklärend.

 

Sollte eines Ihrer Kinder jemals von Cybermobbing betroffen sein, können wir als Lindenschule versuchen, Sie vermittelnd und beratend zu unterstützen. Hilfe und Tipps erhalten Sie aber auch bei verschiedenen Aufklärungsstellen sowie bei der Polizei unter dem Link:

https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/gefahren-im-internet/cybermobbing/

Maik Evers (Schulleitung)

PS: Ein gleichlautender Elternbrief wird in dieser Woche noch an alle Eltern der Lindenschule rausgehen.